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(Foto: IKZ/Schöning)
Transatlantisches Austauschprogramm: Vom Flughafen Frankfurt bis nach Alaska – Projekt für Zuhause
Quer durch die Vereinigten Staaten und wieder zurück: Iserlohner Teilnehmer des Transatlantischen Austauschprogramms Welcoming Communities Transatlantic Exchange (WCT) 2018 sind jetzt in die Vereinigten Staaten gereist, um sich zu informieren.

Das erste Treffen der deutschen Delegation (24 Personen aus fünf deutschen Städten) gab es am Frankfurter Flughafen. Gemeinsam sind dann alle für die Einführungsveranstaltungen nach Washington D.C., in die Hauptstadt der Vereinigten Staaten geflogen.

Hier stand neben den Zielen des Austauschprogramms und der Vorstellung der Programmpartner in erster Linie die Grundlagenvermittlung des politischen Systems (Gewaltenteilung, Zuständigkeitsbereiche, etc.) sowie der Einwanderungspolitik auf dem Programm. Dafür waren zwei Tage eingeplant.

Vorträge wurden beispielsweise von Vertretern von Welcoming America und einem Vertreter der deutschen Botschaft gehalten.

Hier wurde deutlich, dass seit der Wahl von Donald Trump vor allem Unsicherheit über die weitere Entwicklung der grundsätzlichen Einwanderungspolitik entstanden ist, und, dass insgesamt weniger Menschen ins Land kommen.

In den einzelnen Bundesstaaten wird hingegen, je nach Regierung, wie gewohnt, wenn auch mit weniger Zuwanderern, weitergearbeitet. Diese Entwicklung wird von allen beteiligten Organisationen mit großer Skepsis verfolgt.
Viele Informationen,noch mehr Eindrücke
Die deutsche Delegation wurde planmäßig in drei Gruppen aufgeteilt, um die Partnerstädte zu besuchen, die im November 2018 nach Deutschland kommen. Dort ging es für Gudrun Jung-Malberger (Berufsbildungszentrum der Kreishandwerkerschaft MK) und Miriam Remmert (AWO, Unterbezirk Hagen-Märkischer Kreis) nach Montgomery County (Landkreis), für Erbil Eren (Integrationsratsvorsitzende) und Daniel Schöning (LebensWERT Iserlohn) nach Boston (Massachusetts) und für Jens Keienburg (Flüchtlingsberatung der Diakonie Mark Ruhr) nach Charlotte (North Carolina). Auf den Tagesplänen standen jeweils fünf bis sechs verschiedene Veranstaltungen, die von Besuchen bei Migrantenselbstorganisationen, Künstlern und NGOs über Meetings in öffentlichen Einrichtungen (Schulen, Behörden, Krankenhäusern, etc.) bis hin zu Stiftungen reichten.

Die Flut von Informationen und Eindrücken sei bisher schwer zu kanalisieren, so die Iserlohner. Besonders beeindruckend war, das lässt sich bereits jetzt festhalten, die starke Vernetzung zwischen allen Beteiligten (Landes- und Kommunalpolitik, Vereinen, Stiftungen, NGOs etc. ) Man darf dabei nicht aus dem Auge verlieren, dass in den USA viele Geflüchtete und Asylsuchende (hier wird in den USA noch einmal unterschieden – als Asylbewerber gelten illegal eingereiste, Flüchtlinge kommen über Kontingente (Resettlement) kontrolliert ins Land), dass Integration und Zuwanderung nach einem sehr strukturierten Plan ablaufen.

Bei diesen Abläufen werden Vereine und NGOs stark eingebunden, die auf der einen Seite die Verantwortung für die Umsetzung übernehmen, auf der anderen Seite aber mit finanziellen Mitteln ausgestattet werden. Beispielhaft ist hier die Vermittlung von Asylsuchenden in den Arbeitsmarkt zu nennen. Es wird erwartet, dass Flüchtlinge innerhalb der ersten 90 Tage nach ihrer Ankunft eine Arbeit aufnehmen und ihren Lebensunterhalt selbst sicherstellen. Um die schnelle Integration in den Arbeitsmarkt zu gewährleisten, können zugelassene NGOs und Vereine die Verantwortung für ihnen vorher bekannte Personen übernehmen. Im Gegenzug erhaltene diese staatliche Förderung.

Zumindest in den meisten Bundesstaaten gibt es ein Interesse, dass der Staat im Bereich Integration Verantwortung an NGOs abgibt. Ähnliche Ansätze gibt es in Deutschland sicherlich auch bei staatlicher Zusammenarbeit mit Wohlfahrtsverbänden, allerdings müssen diese in den USA nicht so gut organisiert bzw. professionalisiert sein, wie man das aus Deutschland kennt.

Bei den von uns bisher besuchten Einrichtungen, liegt ein extremer Fokus auf den mitgebrachten Stärken der Asylsuchenden. Es geht immer darum, „Welche Fähigkeiten und Kenntnisse bringen die Menschen mit?“, „Was können wir aus ihrem Erfahrungsschatz nutzen?“, „Wie bringen wir sie dazu sich mit Einheimischen zu vernetzen?“. „An welchen Projekten können wir sie wie beteiligen?“ Und: „Wie können die Neumitbürger den Einheimischen Ihre Geschichte näher bringen?“. Vor allem gilt nach dem Selbstverständnis der Amerikaner: „Wie können wir als Stadtgemeinschaft profitieren?“

Seit einigen Tagen ist die Iserlohner Gruppe inzwischen wieder vereint. Gemeinsam mit der gesamten Austauschgruppe haben wir uns bei einem Zwischenstopp in Denver (Colorado) getroffen und reisen von hier aus weiter nach Anchorage (Alaska), dem letzten Stopp auf unserer Reise.
Gegenbesuch ausdem kalten Alaska
Gegenbesuch ausdem kalten Alaska
Auch in Anchorage wartet eine Gruppe der „Welcome Communities Transatlantic Exchange“ auf uns, die einen Gegenbesuch in Deutschland machen wird.

Neben weiteren Besuchen von Projekten und Einrichtungen, werden wir die Zeit nutzen, um aus den bisherigen Erfahrungen und Eindrücken eigene Projektideen für Iserlohn zu entwickeln. Wir freuen uns auf die weiteren Begegnungen mit unseren Freunden..