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Foto: Jörg Kleine
Die Stadt Iserlohn zeichnete drei vorbildliche Projekte mit dem Integrationspreis aus.
Integrationsprojekte sind ein wichtiges Elixier des Zusammenlebens in Iserlohn. Am Samstag würdigten Integrationsrat und Stadt bei einer feierlichen Stunde in der Städtischen Galerie zum neunten Mal herausragende Beispiele. Motto: „Es geht nur gemeinsam“. Als Ehrengast gratulierte auch Staatssekretär Thorsten Klute vom Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales, den Preisträgern.

Für den ersten Preis hat die Grundschule „Lichte Kammer“ im wahrsten Sinne kräftig angepackt. Im Sommer keimte die Idee auf für einen „Garten der Begegnung“. Nach fachkundiger Planung eines Vaters legten die Schüler im Oktober 2015 los. Seither trifft sich die Garten-AG jeden Dienstag in der fünften und sechsten Stunde – und von der Ernte aus Kräutern, Salaten und Gemüse entstehen überdies leckere Gerichte aus aller Herren Länder. „Menschen aller Kulturen arbeiten Hand in Hand“, lobte Iserlohns Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens das Gartenprojekt. Und daraus erwuchsen ganz ungezwungen viele neue Kontakte zwischen den Familien der Schüler, was sich „nachhaltig auf das ganze Schulleben auswirkt“, resümierte Dr. Ahrens.

Die stellvertretende Schulleiterin Petra Meyer nahm den ersten Preis für die „Lichte Kammer“ dankbar entgegen. Zumal es sicher ein gelungener Einstieg ist in ein Jubiläumsjahr: Am 1. April feiert die Grundschule ihr 50-jähriges Bestehen – aktuell mit 202 Mädchen und Jungen aus 160 Ländern.

Der zweite Preis ging an den aus der evangelischen Gemeinde hervorgegangene Verein „Lebenswert“, der inzwischen ein großes Dach bietet für umfangreiche soziale Dienste: „Checkpoint“ als Anlaufpunkt für Jugendliche, „Lichtblick“ als Sozialzentrum und das engagierte „Flüchtlingsnetzwerk“. So habe „Lebenswert“ ein großes Haus gebaut, um „Menschen Chancen zu geben und gemeinsam Werte zu leben“, erklärte der Bürgermeister bei der Verleihung des Preises, den der Kuratoriums-Vorsitzende Sönke Kühl stellvertretend in Empfang nahm.
Preise an „Lebenswert“ und„Multikulturelle Kinderwelt“

Den dritten Preis verlieh die Jury an die „Multikulturelle Kinderwelt“ im Jugendzentrum Karnacksweg. 2013 gegründet, geht es darum, die Kultur der unterschiedlichen Herkunftsländer zu pflegen, aber gleichzeitig die deutsche Kultur ins Bewusstsein zu rücken. Viele Eltern sind in diesem Projekt eingebunden. Den Preis überreichte Dr. Ahrens an Olesia Bukina, Vereinsvorsitzende der „Multikulturellen Kinderwelt“.

Gemeinsamkeiten leben, statt Gegensätze auszutragen, darin liegt der Kern von Integrationsarbeit. In Iserlohn greifen die erforderlichen Netzwerke offenbar sehr gut ineinander. „Wir sind stark genug, die Herausforderungen zu überwinden, die eine Zuwanderungsgesellschaft mit sich bringt“, betonte Erbil Eren, Vorsitzende des Integrationsrats der Stadt Iserlohn. Auch in Zukunft sollen Projekte gewürdigt werden, die „gleichberechtigte Teilhabe und Chancengleichheit“ fördern.

Bürgermeister Dr. Ahrens dankte allen ehrenamtlich engagierten Menschen in Iserlohn, die sich für Integration stark machen. Integrationsarbeit sei der Schlüssel für eine weltoffene Gesellschaft. Als Basis der Verständigung sei indes die deutsche Sprache unerlässlich. Und gerade in diesem Punkt leisteten Integrationsrat und viele Menschen in Iserlohner Vereinen und Institutionen einen enorm wichtigen Beitrag.
Staatssekretär Klute lobt Iserlohner Integrationsarbeit

Staatssekretär Thorsten Klute hob „ein so reiches Engagement für Integration“ gerade in Iserlohn hervor. Er erinnerte an die 1950er- und 1960er-Jahre, als die ersten Gastarbeiter nach Deutschland kamen. „Wir riefen Arbeiter, und es kamen Menschen“, zitierte Klute den Schriftsteller Max Frisch. Denn für viele Gastarbeiter und ihre Familien wurde Deutschland zum neuen Zuhause, sie brachten sich ein in Gesellschaft und am Arbeitsplatz für erfolgreiche Entwicklung.

„Heute sind wir wieder in einer Phase, in der Menschen zu uns nach Deutschland kommen“, warb der Staatssekretär für Offenheit und Toleranz. „Lebendige Mehrsprachigkeit“ in den Familien sei kein Hindernis, erklärte Klute – im Gegenteil. Aber ohne die deutsche Sprache als gemeinsames Fundament der Verständigung könne Integration wiederum keinen Erfolg haben. So sei es Ziel der Landesregierung, Sprachunterricht weiter zu intensivieren.

Für Klute gab es kräftigen Applaus, ebenso für den Chor aus der „Multikulturellen Kinderwelt“, der in drei Sprachen musikalisch einen einzigen Wunsch vortrug: Toleranz und „die Welt ohne Krieg“.